Ein heller Morgen ohne Sorgen begrüsst unsere Reisegesellschaft. Nach Dunkel und Schatten leuchten die Matten, die Flur und der Chor erwacht. Gespannt erwarteten alle die Abfahrt mit dem Ebnetercar, denn uns erwartete erfahrungsgemäß ein gemütlicher Ausflug, der sich in den letzten Jahren dank der kompetenten Leitung von Martin Schregenberger zu einer interessanten, kulturellen Bildungsreise entwickelte. Nachdem wir den anfangs vermissten Siegi doch noch an Bord holen konnten und auch die zweite Haltestelle bei der Fachhochschule bedient hatten, ging es in Vollbesetzung los. Unser erstes Ziel erreichten wir in St.Gallenkappel. Dazu verliessen wir das ehemalige Hoheitsgebiet der Abtei St.Gallen und kamen auf das Gebiet der Grafschaft Uznach. Dort steht eine für die ländliche Gegend große und imposante Kirche, wohl weil sie am Jakobsweg stand in einer wohlhabenden Gegend. St. Gallenkappel hat übrigens nichts mit St.Gallen zu tun.
Die Gemeinde wählte Gallus als Kirchenpatron, weil er ganz in deer Nähe, in Tuggen gelandet war, und Laurentius in Erinnerung an den Sieg von Kaiser Otto und Bischof Ulrich über die Magyaren am Laurenziustag. Speziell zu erwähnen ist wohl die Familie J.J. Grubenmann, Zimmerleute aus Teufen, wichtige Ingenieure des 18. Jahrhunderts, vor allem als Brückenbauer. Für 8000 Gulden erstellten sie den Rohbau in nur einem Jahr. Dachstöcke wie Brücken, beide müssen tragen. In einer Kirche muss der Dachstock Dach und Decke tragen. Für die Decken spannten die Erbauer weite Holzbögen und erreichten so die imposanten Grössen bei viel leichterer Last als mit Steingewölben. Diese Holzgewölbe wurden mit Lattenrosten verkleidet und mit Gips bezogen. Wir stimmten „Jesus remember me“ an und tauchten zu den Klängen in die barocke Atmosphäre dieser Kirche ein.
Dann führte uns unser versierter Chauffeur weiter zu unserer
nächsten Station – Kappel am Albis. Die angeregten Gespräche im Car verstummten bald, als Martin Schregenberger uns in die Zeit der Glaubenskrieg um 1529 führte. In Kappel am Albis wurden zwei Kriege ausgetragen zwischen den kath. Urkantonen und und den reformierten Zürchern und Bernern. Im ersten Krieg wurden die Kampfhandlungen auf diplomatischem Weg vermieden und der Friede im Anschluss mit der berühmten Kappeler Milchsuppe besiegelt. Der zweite Krieg 1531 ging zu Gunsten der katholischen Orte aus. Bei der Ankunft in Kappel gab es für uns keine Milchsuppe, sondern einen Kaffee mit Gipfeli, den wir sehr genossen. Wir besuchten die gotische Basilika des ehemaligen Zisterzienserklosters. Wir lernten, dass diese Kirchen eine viereckige Apsis aufweisen im Gegensatz zu den runden. In einer Basilika ist das Mittelschiff höher als die Seitenschiffe, damit mehr Licht einfallen kann und der Grundriss ist als Kreuz ausgebildet. Auf dem Bild sehen wir auch das originale Chorgestühl. Der Zustand der Kirche ist, abgesehen vom reformierten Bildersturm, noch genauso intakt wie vor der Reformation. Die Fenster wurden nicht abmontiert, sondern wohl aus Kostengründen behalten. Und fūr den stimmungsvollen musikalischen Rundgang waren wir hier nicht selber gefordert, weil ein probender Chor uns mit seinen schönen Chorklängen begleitete. Entspannt und ruhig verließen wir den Kraftort und der Ebneterexpress führte uns schnell und sicher über Zug nach Luzern.
Im 9. Jh. fiel das Heilige Land den Moslems in die Hände von muslimischen Arabern, Pilgerreisen nach Israel waren nicht mehr möglich. Dann geschah angeblich ein Wunder. Im 9.Jh. sollen Engel das Haus von Maria nach Loreto in Italien gebracht haben. Um dieses Haus entstand dann ein Dom. In Anlehnung daran wurden in der Schweiz 10 Loretokapellen erbaut, die am nächsten gelegene bei uns in Lichtensteig. In Hergiswald wurde um 1650 eine erste Kapelle erbaut und rundherum danach noch weitere Kapellen. Zusammengefasst bilden die Kapellen nun eine barocke Loretokirche, die wir besichtigen werden. Doch der Ebneterexpress wurde durch Stau und stockenden Verkehr beim Tunnel Rathausen aufgehalten und prompt meldete sich auch ein leichtes Hungergefühl, welches mitteilte, dass es schon gegen Mittag ging.
Doch vorher mussten wir uns noch in Geduld üben, was aber angesichts der beeindruckenden Loretokirche nicht



schwerfiel. Im Wald lebte einst ein von der Bevölkerung verehrter Eremit namens Johannes Wagner. Nach dessen Tod wurde eine erste Kapelle gebaut und, wie erwähnt zur Kirche ausgebaut. In diesem Raum wurde dann 1652 eine Kopie des Hauses von Maria erstellt. Beeindruckend ist auch der Bilderhimmel, bei dem in 324 Kassetten die lauretanische Litanei aufgemalt ist. Nun war das Mittagessen aber angesagt.
Nachdem uns Tom Tom Go auf dem Weg nach Flüeli Ranft noch eine Ehrenrunde aufbrummte, trafen wir doch noch rechtzeitig zum Essen im Restaurant Flüe Matte ein, wo wir vom Koch schon erwartet und herzlich begrüßt wurden.
Die Menüs waren zügig verteilt, weil Franziska für alle ein persönliches Tischkärtchen vorbereitet hatte. Ob Rahmschnitzel mit Reis, Schnitzel Pommes frites, Spätzlipfanne oder Gemüseteller, allen schmeckte es wunderbar und nach der feinen Glacékugel zum Kaffee war der Chor frei in der Gestaltung des Nachmittages. Die einen besichtigten das Geburtshaus von Bruder Klaus, die andern das Wohnhaus und wieder andere sassen im Schatten der Bäume im Kioskrestaurant, wo auch der Chronist platznahm.
Ein Fixpunkt am Nachmittag bildete der Besuch der Kapellen im Ranft. Jene oben, wo der legendäre Kopfkissenstein unseres Nationalpatrons auf einer Bank lag und viele Votivbilder für Bruder Klaus‘ Hilfe in schwierigen Lebenslagen als Dankbezeugung hängen.
Um 15.30 trafen wir uns in der unteren Kapelle zu einer Andacht. Das Bruderklausenlied, dreistimmig gesungen, schloss jeweils einen gedanklichen Impuls ab, über den wir in Stille meditierten. Auch in dieser Kapelle spürten wir eine Kraft, die wir gerne in unseren Alltag mitnehmen. Danach bewältigten alle den Rückweg hoch ins Flüeli. – Kurze Pause, dann Abmarsch nach Sachseln. Trotz heissen Temperaturen machte sich ein grösseres Detachement auf eine leichte Wanderung, durch schattige Waldabschnitte und entlang Schatten spendender Buchenhaine, aber auch über sonnige Wiesen. Auf diesem alten Kirchweg erreichte die Wandergruppe Sachseln locker und pünktlich um 17.15 Uhr.
Martin Schregenberger stand wieder bereit und führte uns durch die Wallfahrtskirche. Besonders augenfällig ist der schwarze Marmor, der für Säulen und Kapitelle in der Gegend gebrochen wurde. Dies bedeutete eine Riesenleistung der Steinmetze, welche diese Arbeiten1672 ohne Maschinen ausführten und die Steine und Säulen über 15 km aus dem Melchtal heranschafften. Baumeister war Hans Winden, die Grundsteinlegung am 12. Juni 1672. 5 Jahre später stürzte Hans Winden bei den Bauarbeiten ab und verstarb. Die Kirche wurde 1679 vollendet und die Gebeine von Bruder Klaus überführt. Nach diesen Ausführungen stimmten wir für uns und einige andere Kirchenbesucher „Jesus dir leb ich“ an. Dabei fiel uns eine Dame durch ihre schöne Sopranstimme auf. Würde sie nicht in Sachseln wohnen, hätten wir eine Teilnahme an unserem Chor nicht ausgeschlossen. Dann ging es schnell. Wir verabschiedeten uns vom Messmer und nahmen im Car Platz. Dies bedeutete das Go für Walter, unseren Fahrer, der uns sicher und immer zuvorkommend an unsere Ziele brachte. Etwas müde, aber glücklich im Herzen traten wir die Heimreise an und alle waren sich einig: Diese Reise war wiederum ein Highlight im Vereinsjahr, das wir eine Woche nach der gut gelungenen Nicolaimesse voll entspannt geniessen durften und das auch schon Vorfreude auf die nächste Reise weckte. Wir danken Martin und Franziska für ihre Vorbereitungen, die gute Planung und kompetente Führung und der Firma Ebneter für den sicheren Transport. Nach einer ruhigen Fahrt trafen wir um 19.45 Uhr glücklich in St.Gallen ein.